Folien und Transkript
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In diesem Abschnitt besprechen wir die verschiedenen Strategien für den Wechsel von Antipsychotika. Dabei möchte ich betonen, dass es nicht unbedingt einen absolut richtigen oder falschen Weg gibt. Der Wechsel hängt von einer Reihe klinischer und patientenbezogener Faktoren ab. Mein Ziel ist es, die verschiedenen Möglichkeiten eines solchen Wechsels gemeinsam mit Ihnen zu erörtern.
Referenzen:
- Brian Miller, M.D., Ph.D., M.P.H.
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Die erste Strategie ist der abrupte Wechsel oder Stop-Start-Wechsel: Das bisherige Antipsychotikum wird sofort abgesetzt und unmittelbar durch das neue ersetzt. Dieser Ansatz ist in klinischen Studien verbreitet und bei schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen die bevorzugte Vorgehensweise. Allerdings ist dabei das Risiko von Absetzsymptomen erhöht.
Referenzen:
- Buckley, P. F., & Correll, C. U. (2008). Strategies for dosing and switching antipsychotics for optimal clinical management. Journal of Clinical Psychiatry, 69(Suppl 1), 4–17. https://doi.org/10.4088/JCP.6069su1.02
- Correll, C. U. (2025). Strategies for switching between oral postsynaptic antidopaminergic antipsychotics in patients with schizophrenia: A systematic review. CNS Drugs, 39(10), 913–935. https://doi.org/10.1007/s40263-025-01206-3
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Die zweite Strategie ist der sogenannte Kreuzausschleich, bei dem das bisherige Antipsychotikum schrittweise reduziert und gleichzeitig das neue Antipsychotikum einschleichend dosiert wird. Diese Methode gilt als die sicherste, um einen Rückfall bei einem Wechsel zu verhindern, wenngleich Arzneimittelwechselwirkungen weiterhin möglich sind. Der Kreuzausschleich wird von den meisten Experten empfohlen. Als Beleg dafür zeigt eine systematische Übersichtsarbeit mit 58 Wechselstudien, dass diese Methode in 70 % der Fälle angewendet wurde. Die allgemeine Konvention sieht für den Kreuzausschleich einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen vor.
Referenzen:
- Buckley, P. F., & Correll, C. U. (2008). Strategies for dosing and switching antipsychotics for optimal clinical management. Journal of Clinical Psychiatry, 69(Suppl 1), 4–17. https://doi.org/10.4088/JCP.6069su1.02
- Correll, C. U. (2025). Strategies for switching between oral postsynaptic antidopaminergic antipsychotics in patients with schizophrenia: A systematic review. CNS Drugs, 39(10), 913–935. https://doi.org/10.1007/s40263-025-01206-3
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Als Beispiel: Ein Patient nimmt zu Beginn 20 mg Olanzapin. Wir entscheiden uns, über einen Zeitraum von etwa drei bis vier Wochen auf Aripiprazol umzustellen. Ein mögliches Vorgehen wäre, Olanzapin schrittweise zu reduzieren: in Woche 1 auf 15 mg, in Woche 2 auf 10 mg, in Woche 3 auf 5 mg und in Woche 4 das Absetzen. Gleichzeitig beginnen wir mit Aripiprazol: 5 mg in Woche 1, Steigerung auf 10 mg in Woche 2, auf 15 mg in Woche 3 und schließlich auf eine Zieldosis von 20 mg in Woche 4. Das ist der schrittweise Kreuzausschleich.
Referenzen:
- Buckley, P. F., & Correll, C. U. (2008). Strategies for dosing and switching antipsychotics for optimal clinical management. Journal of Clinical Psychiatry, 69(Suppl 1), 4–17. https://doi.org/10.4088/JCP.6069su1.02
- Correll, C. U. (2025). Strategies for switching between oral postsynaptic antidopaminergic antipsychotics in patients with schizophrenia: A systematic review. CNS Drugs, 39(10), 913–935. https://doi.org/10.1007/s40263-025-01206-3
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Ein dritter Ansatz ist der sogenannte Ausschleichswechsel: Dabei wird das neue Antipsychotikum sofort in der Zieldosis begonnen, während das bisherige schrittweise abgesetzt wird. Bezogen auf unser vorheriges Beispiel würde beim Wechsel von Olanzapin auf Aripiprazol mittels Ausschleichswechsel sofort mit 20 mg Aripiprazol begonnen und Olanzapin über etwa vier Wochen um jeweils 5 mg pro Woche reduziert. Im Vergleich zum Kreuzausschleich besteht beim Ausschleichswechsel ein höheres Risiko für Arzneimittelwechselwirkungen, jedoch möglicherweise ein geringeres Risiko für Absetzsymptome.
Referenzen:
- Buckley, P. F., & Correll, C. U. (2008). Strategies for dosing and switching antipsychotics for optimal clinical management. Journal of Clinical Psychiatry, 69(Suppl 1), 4–17. https://doi.org/10.4088/JCP.6069su1.02
- Correll, C. U. (2025). Strategies for switching between oral postsynaptic antidopaminergic antipsychotics in patients with schizophrenia: A systematic review. CNS Drugs, 39(10), 913–935. https://doi.org/10.1007/s40263-025-01206-3
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Der vierte Ansatz ist der sogenannte Plateau-Kreuzausschleich oder Überlappungs- und Ausschleichswechsel. Dieser Ansatz wird häufig beim Umstellen auf Clozapin angewendet. Dabei wird das neue Antipsychotikum in niedriger Dosis begonnen und schrittweise erhöht, bis eine Plateauphase erreicht wird, in der der Patient vorübergehend beide Antipsychotika gleichzeitig erhält. Erst dann wird das bisherige Antipsychotikum ausgeschlichen. Beim Wechsel auf Clozapin ist es beispielsweise nicht ungewöhnlich, das bisherige Antipsychotikum beizubehalten, während die Clozapin-Dosis gesteigert wird, und erst ab einem Dosisbereich von 100 bis 200 mg Clozapin mit dem Ausschleichen des bisherigen Antipsychotikums zu beginnen.
Referenzen:
- Buckley, P. F., & Correll, C. U. (2008). Strategies for dosing and switching antipsychotics for optimal clinical management. Journal of Clinical Psychiatry, 69(Suppl 1), 4–17. https://doi.org/10.4088/JCP.6069su1.02
- Correll, C. U. (2025). Strategies for switching between oral postsynaptic antidopaminergic antipsychotics in patients with schizophrenia: A systematic review. CNS Drugs, 39(10), 913–935. https://doi.org/10.1007/s40263-025-01206-3
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Ich habe zuvor den Zeitraum von zwei bis vier Wochen für den Kreuzausschleich erwähnt. Es stellt sich die wichtige Frage, ob diese Konvention evidenzbasiert ist. Ein Scoping-Review aus dem Jahr 2025, das 32 Studien zur Dosisreduktion oder zum Absetzen von Antipsychotika bei Patienten mit Psychosen untersuchte, schloss zwei Praxisleitlinien ein. Interessanterweise empfahlen beide Leitlinien eine längere, schrittweisere Reduktion in der Größenordnung von 10 % pro Monat oder sogar 20 % alle sechs Monate. Keine der Leitlinien präzisierte jedoch, ob sich der Prozentsatz auf die ursprüngliche oder die aktuelle Dosis bezieht. Der Zeitraum von zwei bis vier Wochen ist daher letztlich nur eine Konvention. Er bleibt ein vernünftiger Standardzeitraum, aber Patienten und Kliniker sollten sich seiner eingeschränkten Evidenzgrundlage bewusst sein. Bei Patienten mit schlechter Verträglichkeit dieses Vorgehens sollte ein längeres, schrittweiseres Ausschleichen in Betracht gezogen werden.
Referenzen:
- Jeffares, I., Friars, D., Plapp, H., Allott, K., Cadogan, C., Keating, D., Mooney, C., O'Connor, K., & O'Donoghue, B. (2025). A scoping review of methods, guidelines, and protocols used for dose reduction or discontinuation of antipsychotic medication. Schizophrenia Bulletin. https://doi.org/10.1093/schbul/sbaf181
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Eine weitere wichtige Frage ist, ob gleich große Dosisreduktionsschritte beim Ausschleichen von Antipsychotika gleiche Effekte erzeugen. Da die Kurve der Antipsychotikadosis zur D2-Rezeptorbesetzung hyperbolisch verläuft, führen lineare Dosisreduktionen tatsächlich zu einer zunehmend stärkeren Abnahme der D2-Rezeptorbesetzung. Mit anderen Worten: Der letzte Schritt beim Absetzen, also der Übergang von 5 mg auf 0 mg Olanzapin, bewirkt die größte prozentuale Veränderung der D2-Rezeptorbesetzung – und zwar genau dann, wenn das neue Antipsychotikum möglicherweise noch keinen Steady-State erreicht hat.
Referenzen:
- Horowitz, M. A., Jauhar, S., Natesan, S., Murray, R. M., & Taylor, D. (2021). A method for tapering antipsychotic treatment that may minimize the risk of relapse. Schizophrenia Bulletin, 47(4), 1116–1129. https://doi.org/10.1093/schbul/sbab017
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Wie in der Grafik zu sehen ist: Bei einem Patienten unter 4 mg Haloperidol beträgt die D2-Rezeptorbesetzung etwa 80 %. Eine Reduktion auf 3 mg führt zu einer D2-Rezeptorbesetzung im Bereich von 70 %. Im Gegensatz dazu sinkt beim Übergang von 1 mg Haloperidol auf 0 mg die D2-Rezeptorbesetzung von etwa 55 % auf 0.
Referenzen:
- Horowitz, M. A., Jauhar, S., Natesan, S., Murray, R. M., & Taylor, D. (2021). A method for tapering antipsychotic treatment that may minimize the risk of relapse. Schizophrenia Bulletin, 47(4), 1116–1129. https://doi.org/10.1093/schbul/sbab017
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Was bedeutet das praktisch für den Kreuzausschleich? Kliniker sollten das letzte Viertel der auslaufenden Dosis als potenziell empfindlichsten Teil des Wechsels betrachten. Horowitz und Kollegen empfahlen 2021 eine hyperbolische bzw. proportionale Form für alle Ausschleichvorgänge, mit einer Schrittgröße und einem Intervall, das für empfindlichere Patienten individuell angepasst wird.
Referenzen:
- Horowitz, M. A., Jauhar, S., Natesan, S., Murray, R. M., & Taylor, D. (2021). A method for tapering antipsychotic treatment that may minimize the risk of relapse. Schizophrenia Bulletin, 47(4), 1116–1129. https://doi.org/10.1093/schbul/sbab017
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Eine weitere wichtige Frage betrifft das Rückfallrisiko: Wird das Rückfallrisiko durch die Geschwindigkeit des Ausschleichens bestimmt oder durch andere Faktoren? In einer Studie mit 227 Patienten mit einer Erstpsychose, die nach einer Remission Antipsychotika ausschlichen, war die durchschnittliche Ausschleichgeschwindigkeit kein signifikanter Prädiktor für einen Rückfall. Entscheidend war hingegen die D2-Rezeptoraffinität des Antipsychotikums. Im Vergleich zu Patienten unter hochaffinen D2-Rezeptorantagonisten hatten Patienten unter niedrigaffinen D2-Antagonisten oder D2-Partialagonisten ein etwa halb so hohes Rückfallrisiko. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass diese Studie die durchschnittliche Ausschleichgeschwindigkeit untersuchte, nicht die Form des Ausschleichens oder die Größe des letzten Schritts, die für das hyperbolische Argument relevant sein könnten.
Referenzen:
- Gangadin, S. S., de Beer, F., Wijnen, B., Begemann, M., van Beveren, N., Boonstra, N., de Haan, L., Kikkert, M., Koops, S., van Os, J., Veling, W., Wiersma, S., HAMLETT-OPHELIA Consortium, & Sommer, I. E. C. (2025). Risk of relapse during tapering of antipsychotic medication after a first psychotic episode: Association with D2 receptor affinity but not with tapering speed. World Psychiatry, 24(2), 240–249. https://doi.org/10.1002/wps.21315
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Was sind die klinischen Konsequenzen? Sowohl der Zeitverlauf als auch das bisherige Antipsychotikum sind Faktoren, die beim Ausschleichen berücksichtigt werden sollten. Das Absetzen von Haloperidol oder Risperidon kann klinisch ein anderes Problem darstellen als das Absetzen von Quetiapin oder Aripiprazol. Dies spiegelt den aktuellen Stand der Unsicherheit in diesem Bereich wider. Die Erkenntnisse zur Ausschleichgeschwindigkeit und zur D2-Rezeptoraffinität stehen dabei eher in einem Spannungsverhältnis als in einem Widerspruch zueinander. Wichtig ist: Bislang wurden lineare und hyperbolische Ausschleichschemata in keiner Studie direkt miteinander verglichen.
Referenzen:
- Gangadin, S. S., de Beer, F., Wijnen, B., Begemann, M., van Beveren, N., Boonstra, N., de Haan, L., Kikkert, M., Koops, S., van Os, J., Veling, W., Wiersma, S., HAMLETT-OPHELIA Consortium, & Sommer, I. E. C. (2025). Risk of relapse during tapering of antipsychotic medication after a first psychotic episode: Association with D2 receptor affinity but not with tapering speed. World Psychiatry, 24(2), 240–249. https://doi.org/10.1002/wps.21315
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Hier sind die wichtigsten Punkte dieses Abschnitts. Zu den gängigen Wechselstrategien zählen der abrupte Wechsel und der Kreuzausschleich. Weitere mögliche Strategien sind der Ausschleichswechsel und der Plateau-Kreuzausschleich. Der zwei- bis vierwöchige Ausschleichzeitraum ist die gängige Konvention, jedoch kein explizit evidenzbasierter Ansatz.
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Die Ansätze zum Ausschleichen von Antipsychotika – einschließlich der linearen und der hyperbolischen Methode – wurden bislang nicht direkt miteinander verglichen. Beim Ausschleichen von Antipsychotika ist der relative Beitrag von Ausschleichgeschwindigkeit und D2-Rezeptoraffinität auf das Rückfallrisiko noch unklar.
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