Folien und Transkript
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Im nächsten Abschnitt konzentrieren wir uns speziell auf ADHS-Medikamente und besprechen deren kardiovaskuläre Auswirkungen – mit einem besonderen Fokus auf ihre Sicherheit.
Referenzen:
- Scott R. Beach, M.D.
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Einer der konsistentesten kardialen Effekte von Stimulanzien betrifft die Herzfrequenz. Im Durchschnitt bewirken Stimulanzien einen leichten Anstieg der Herzfrequenz um etwa 1 bis 6 Schläge pro Minute. Zudem erhöhen sie sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck um etwa 1 bis 3 mmHg.
Referenzen:
- Torres-Acosta, N., O'Keefe, J. H., O'Keefe, C. L., & Lavie, C. J. (2020). Cardiovascular Effects of ADHD Therapies: JACC Review Topic of the Week. Journal of the American College of Cardiology, 76(7), 858–866. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2020.05.081
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Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass 5 % bis 15 % der Betroffenen einen deutlicheren Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks erleben, der eine kontinuierliche Überwachung der Vitalzeichen erforderlich machen kann. Interessanterweise zeigten Stimulanzien im Vergleich zu Nicht-Stimulanzien keine größeren hämodynamischen Veränderungen.
Referenzen:
- Torres-Acosta, N., O'Keefe, J. H., O'Keefe, C. L., & Lavie, C. J. (2020). Cardiovascular Effects of ADHD Therapies: JACC Review Topic of the Week. Journal of the American College of Cardiology, 76(7), 858–866. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2020.05.081
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Eine Langzeitanwendung von Stimulanzien über mehr als drei bis fünf Jahre scheint mit einem erhöhten Risiko für Hypertonie verbunden zu sein, mit einem Chancenverhältnis von etwa 1,75, sowie mit einem erhöhten Risiko für arterielle Erkrankungen, das sich dosisabhängig zeigt.
Referenzen:
- Torres-Acosta, N., O'Keefe, J. H., O'Keefe, C. L., & Lavie, C. J. (2020). Cardiovascular Effects of ADHD Therapies: JACC Review Topic of the Week. Journal of the American College of Cardiology, 76(7), 858–866. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2020.05.081
- Zhang, L., Yao, H., Li, L., Du Rietz, E., Andell, P., Garcia-Argibay, M., D'Onofrio, B. M., Cortese, S., Larsson, H., & Chang, Z. (2024). Attention-deficit/hyperactivity disorder medications and long-term risk of cardiovascular diseases. JAMA Psychiatry, 81(2), 178–187. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2023.4294
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Bei Patientinnen und Patienten mit Hypertonie, denen Stimulanzien verschrieben werden, kann gemäß den Empfehlungen des American College of Cardiology eine Dosisreduktion oder sogar ein Absetzen in Betracht gezogen werden. Wichtig ist, dass Stimulanzien nicht mit einer QTc-Verlängerung oder Torsade de Pointes in Verbindung gebracht werden.
Referenzen:
- Torres-Acosta, N., O'Keefe, J. H., O'Keefe, C. L., & Lavie, C. J. (2020). Cardiovascular Effects of ADHD Therapies: JACC Review Topic of the Week. Journal of the American College of Cardiology, 76(7), 858–866. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2020.05.081
- Zhang, L., Yao, H., Li, L., Du Rietz, E., Andell, P., Garcia-Argibay, M., D'Onofrio, B. M., Cortese, S., Larsson, H., & Chang, Z. (2024). Attention-deficit/hyperactivity disorder medications and long-term risk of cardiovascular diseases. JAMA Psychiatry, 81(2), 178–187. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2023.4294
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Eine häufig gestellte Frage im Zusammenhang mit der Anwendung von Stimulanzien betrifft das Screening und die Sicherheitsaspekte bei Patientinnen und Patienten, die an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden oder ein entsprechendes Risiko aufweisen. Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass es aus kardiologischer Sicht einige relative Kontraindikationen für den Einsatz von Stimulanzien gibt. Dazu zählen unkontrollierte Hypertonie, Angina pectoris, ein früherer Myokardinfarkt, Arrhythmien, signifikante Klappenerkrankungen, Kardiomyopathie, Herzinsuffizienz oder strukturelle Herzanomalien.
Referenzen:
- Vetter, V. L., Elia, J., Erickson, C., Berger, S., Blum, N., Uzark, K., Webb, C. L., & American Heart Association Council on Cardiovascular Disease in the Young Congenital Cardiac Defects Committee and Council on Cardiovascular Nursing. (2008). Cardiovascular monitoring of children and adolescents with heart disease receiving medications for attention deficit/hyperactivity disorder: A scientific statement from the American Heart Association. Circulation, 117(18), 2407–2423. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.107.189473
- National Institute for Health and Care Excellence. (2019). *Attention deficit hyperactivity disorder: Diagnosis and management* (NICE Guideline No. 87). https://www.nice.org.uk/guidance/ng87
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Behandelnde Ärztinnen und Ärzte sollten zudem erworbene kardiovaskuläre Risikofaktoren erfassen – etwa koronare Herzkrankheit, periphere arterielle Verschlusskrankheit und metabolisches Syndrom –, da diese trotz fehlender Kontraindikation zusätzliche Risikofaktoren darstellen können.
Referenzen:
- Vetter, V. L., Elia, J., Erickson, C., Berger, S., Blum, N., Uzark, K., Webb, C. L., & American Heart Association Council on Cardiovascular Disease in the Young Congenital Cardiac Defects Committee and Council on Cardiovascular Nursing. (2008). Cardiovascular monitoring of children and adolescents with heart disease receiving medications for attention deficit/hyperactivity disorder: A scientific statement from the American Heart Association. Circulation, 117(18), 2407–2423. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.107.189473
- National Institute for Health and Care Excellence. (2019). *Attention deficit hyperactivity disorder: Diagnosis and management* (NICE Guideline No. 87). https://www.nice.org.uk/guidance/ng87
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Darüber hinaus ist ein Screening der Familienanamnese wichtig, insbesondere hinsichtlich plötzlichem Herztod in jungem Alter, Kardiomyopathie, Long-QT-Syndrom und Brugada-Syndrom. Außerdem sollten Patientinnen und Patienten nach kardialen Symptomen befragt werden: Haben sie belastungsabhängige Brustschmerzen, ungeklärte Synkopen oder Präsynkopen, Palpitationen oder Belastungsdyspnoe?
Referenzen:
- Vetter, V. L., Elia, J., Erickson, C., Berger, S., Blum, N., Uzark, K., Webb, C. L., & American Heart Association Council on Cardiovascular Disease in the Young Congenital Cardiac Defects Committee and Council on Cardiovascular Nursing. (2008). Cardiovascular monitoring of children and adolescents with heart disease receiving medications for attention deficit/hyperactivity disorder: A scientific statement from the American Heart Association. Circulation, 117(18), 2407–2423. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.107.189473
- National Institute for Health and Care Excellence. (2019). Attention deficit hyperactivity disorder: Diagnosis and management (NICE Guideline No. 87). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK493361/
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Einige Leitlinien empfehlen, vor Beginn einer ADHS-Medikation die Herzfrequenz, den Blutdruck, die Körpergröße und das Körpergewicht als Ausgangswerte zu erfassen und mit altersgerechten Normwerten zu vergleichen. Ein EKG ist nicht generell erforderlich. Der aktuelle Konsens lautet, dass das EKG-Screening bei Patientinnen und Patienten, die mit Stimulanzien beginnen, im Ermessen der behandelnden Ärztin bzw. des behandelnden Arztes liegt und auf der Anamnese, der Familienanamnese sowie den Untersuchungsbefunden basieren sollte. Werden kardiale Risikofaktoren identifiziert, ist vor Beginn der Stimulanzientherapie eine weiterführende Abklärung einzuleiten, die ein EKG, eine Echokardiographie oder eine Überweisung an die Cardiology umfassen kann.
Referenzen:
- National Institute for Health and Care Excellence. (2019). Attention deficit hyperactivity disorder: Diagnosis and management (NICE Guideline No. 87). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK493361/
- Perrin, J. M., Friedman, R. A., Knilans, T. K., Black Box Working Group, & Section on Cardiology and Cardiac Surgery. (2008). Cardiovascular monitoring and stimulant drugs for attention-deficit/hyperactivity disorder. Pediatrics, 122(2), 451–453. https://doi.org/10.1542/peds.2008-1573
- Olagunju, A. E., & Ghoddusi, F. (2024). Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Adults. *American Family Physician*, *110*(2), 157–166. https://doi.org/10.1001/PMID:39172673
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Bei Patientinnen und Patienten mit bestehenden kardiovaskulären Risiken gibt es eine FDA-Warnung zum Einsatz von ADHS-Medikamenten bei strukturellen Herzanomalien oder anderen schwerwiegenden Herzerkrankungen. Eine Herz-Kreislauf-Erkrankung stellt jedoch keine absolute Kontraindikation dar.
Referenzen:
- Verghese, C., Patel, P., & Abdijadid, S. (2024, October 29). Methylphenidate. In *StatPearls* [Internet]. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK482451/
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Eine Metaanalyse von Beobachtungsdaten deutet darauf hin, dass das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Patientinnen und Patienten mit vorbestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung unter Stimulanzientherapie möglicherweise erhöht ist, obwohl die Ergebnisse keine statistische Signifikanz erreichten. Es zeigt sich kein signifikanter Anstieg von Arrhythmien, Herzinsuffizienz, ischämischer Herzkrankheit oder Schlaganfall bei Patientinnen und Patienten unter Stimulanzientherapie.
Referenzen:
- Zhang, L., Yao, H., Li, L., Du Rietz, E., Andell, P., Garcia-Argibay, M., D'Onofrio, B. M., Cortese, S., Larsson, H., & Chang, Z. (2022). Risk of cardiovascular diseases associated with medications used in attention-deficit/hyperactivity disorder: A systematic review and meta-analysis. JAMA Network Open, 5(11), e2243597. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2022.43597
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In einer Kohortenstudie aus dem Jahr 2024 zeigte sich bei mit Methylphenidat behandelten Patientinnen und Patienten in den ersten sechs Monaten eine geringfügig höhere Rate kardiovaskulärer Ereignisse im Vergleich zu nicht behandelten gematchten Kontrollpersonen. Hinsichtlich des Risikos in Abhängigkeit von einer vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung zeigte sich jedoch kein Unterschied. Stimulanzien erhöhen nachweislich auch nicht das Risiko für plötzlichen Herztod über die Basisrate der Allgemeinbevölkerung hinaus.
Referenzen:
- Zhang, L., Yao, H., Li, L., Du Rietz, E., Andell, P., Garcia-Argibay, M., D'Onofrio, B. M., Cortese, S., Larsson, H., & Chang, Z. (2022). Risk of cardiovascular diseases associated with medications used in attention-deficit/hyperactivity disorder: A systematic review and meta-analysis. JAMA Network Open, 5(11), e2243597. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2022.43597
- Garcia-Argibay, M., Bürkner, P. C., Lichtenstein, P., Zhang, L., D'Onofrio, B. M., Andell, P., Chang, Z., Cortese, S., & Larsson, H. (2024). Methylphenidate and short-term cardiovascular risk. *JAMA Network Open*, *7*(3), e241349. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2024.1349
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Betrachten wir einige Nicht-Stimulanzien, die bei ADHS eingesetzt werden: Atomoxetin wurde hinsichtlich einer QT-Verlängerung untersucht und verfügt über eine sogenannte Thorough-QT-Studie – den Goldstandard zur Messung des Ausmaßes, in dem ein Medikament das QT-Intervall verlängern kann. In dieser Studie zeigte Atomoxetin keine ausgeprägten QT-Veränderungen, jedoch einen leichten konzentrationsabhängigen Anstieg des QTc-Intervalls mit steigendem Plasmaspiegel. Zu beachten ist, dass CYP2D6-Poor-Metabolizer oder Personen, die CYP2D6-Inhibitoren einnehmen, höhere Atomoxetin-Konzentrationen aufweisen können, was zu stärkeren Anstiegen von Herzfrequenz und Blutdruck führen kann.
Referenzen:
- Fedder, D., Patel, H., & Saadabadi, A. (2023). Atomoxetine. In *StatPearls* [Internet]. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK493234/
- Loghin, C., Haber, H., Beasley, C. M., Jr., Kauffman, L., & Wernicke, J. F. (2013). Effects of atomoxetine on the QT interval in healthy CYP2D6 poor metabolizers. British Journal of Clinical Pharmacology, 75(2), 538–549. https://doi.org/10.1111/j.1365-2125.2012.04382.x
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Auch für Viloxazin wurden moderate Anstiege von Blutdruck und Herzfrequenz nachgewiesen. Tachykardie wurde bei 4 % der Erwachsenen berichtet, verglichen mit nur 1 % unter Placebo. Insgesamt gilt Viloxazin im Vergleich zu Stimulanzien jedoch als kardiovaskulär relativ gut verträglich. Dennoch wird empfohlen, den Blutdruck vor und während der Behandlung zu überwachen. Für Viloxazin liegt ebenfalls eine Thorough-QT-Studie vor, die selbst bei supratherapeutischen Dosen keine QTc- oder QRS-Verlängerung zeigte.
Referenzen:
- Mansour, G. K., Sayed, S. B. H., Al-Badri, S. G., Abdalla, M. G. A., & Abo-Elnour, D. E. (2026). The Viloxazine Paradox: A Noradrenergic Agent's Journey From Antidepressant Obscurity to ADHD Precision Therapy. CNS Neuroscience & Therapeutics, 32(4), e70839. https://doi.org/10.1002/cns.70839
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Zur Zusammenfassung der wichtigsten Punkte dieses Abschnitts: Stimulanzien bewirken im Durchschnitt leichte Anstiege von Herzfrequenz und Blutdruck, jedoch können 5 % bis 15 % der Betroffenen deutlichere Anstiege erleben. Stimulanzien zeigten im Vergleich zu Nicht-Stimulanzien keine größeren hämodynamischen Veränderungen. Stimulanzien werden zudem nicht mit einer QTc-Verlängerung oder Torsade de Pointes in Verbindung gebracht.
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Relative Kontraindikationen für den Einsatz von Stimulanzien umfassen unkontrollierte Hypertonie, Angina pectoris, einen früheren Myokardinfarkt, Arrhythmien, signifikante Klappenerkrankungen, Kardiomyopathie, Herzinsuffizienz oder strukturelle Herzanomalien. Unter Stimulanzientherapie zeigt sich kein signifikanter Anstieg von Arrhythmien, Herzinsuffizienz, ischämischer Herzkrankheit oder Schlaganfall, jedoch gibt es Hinweise darauf, dass das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse bei Patientinnen und Patienten mit vorbestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöht sein könnte.
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