Folien und Transkript
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Antipsychotika bei Borderline-Persönlichkeitsstörung: Von der Sedierung zur partiellen Agonismus.
Referenzen:
- Paul S. Links, M.D., F.R.C.P.C.
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Als Einführung lässt sich sagen, dass Antipsychotika bei der Behandlung von Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) hilfreich sein können. Niedrig dosierte Antipsychotika können Wut, impulsive Aggressivität sowie kognitive und wahrnehmungsbezogene Symptome lindern, die Patienten in symptomatischen Phasen erleben. Sie sollten jedoch nur für begrenzte Zeiträume verordnet werden – beispielsweise für etwa acht Wochen.
Referenzen:
- Black, D. W., Zanarini, M. C., Romine, A., Shaw, M., Allen, J., & Schulz, S. C. (2014). Comparison of low and moderate dosages of extended-release quetiapine in borderline personality disorder: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. The American Journal of Psychiatry, 171(11), 1174–1182. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2014.13101348
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Diese Erkenntnisse stammen aus einer Studie von Black et al., die Quetiapin bei der BPS untersuchten. In einem großen randomisierten kontrollierten Trial (RCT) über acht Wochen verglichen sie retardiertes Quetiapin mit Placebo. Dabei zeigte sich eine große Effektgröße für niedrig dosiertes Quetiapin – also 150 mg täglich – auf der sogenannten ZAN-BPD-Skala, einem Messinstrument für Borderline-Merkmale. Besonders der kognitive Bereich profitierte davon. Die mittlere Dosis von 300 mg täglich unterschied sich hingegen nicht signifikant von Placebo, obwohl beide Quetiapin-Dosierungen bei sekundären Endpunkten wie verbaler und körperlicher Aggressivität wirksam waren.
Referenzen:
- Black, D. W., Zanarini, M. C., Romine, A., Shaw, M., Allen, J., & Schulz, S. C. (2014). Comparison of low and moderate dosages of extended-release quetiapine in borderline personality disorder: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. The American Journal of Psychiatry, 171(11), 1174–1182. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2014.13101348
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Wie zu erwarten war, traten Nebenwirkungen häufig auf und stellten ein erhebliches Problem dar. Ein weiterer Kritikpunkt an dieser Studie sind die recht strengen Ausschlusskriterien für komorbide Diagnosen. Dennoch konnte die Studie zeigen, dass niedrig dosiertes Quetiapin bei Borderline-Symptomen wirksam sein kann.
Referenzen:
- Black, D. W., Zanarini, M. C., Romine, A., Shaw, M., Allen, J., & Schulz, S. C. (2014). Comparison of low and moderate dosages of extended-release quetiapine in borderline personality disorder: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. The American Journal of Psychiatry, 171(11), 1174–1182. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2014.13101348
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Zanarini führte 2011 eine Studie mit Olanzapin durch und erzielte sehr ähnliche Ergebnisse. Auch hier wurde die ZAN-BPD-Skala zur Erfassung von Borderline-Merkmalen eingesetzt. Olanzapin in niedrigen Dosen von 5 bis 10 mg täglich zeigte gegenüber Placebo einen moderaten Vorteil hinsichtlich der Borderline-Psychopathologie. Einschränkend ist jedoch zu beachten, dass Nebenwirkungen – darunter Gewichtszunahme und Sedierung – häufig auftraten und den klinischen Einsatz dieser Medikamente erheblich beeinflussen können.
Referenzen:
- Zanarini, M. C., Schulz, S. C., Detke, H. C., Tanaka, Y., Zhao, F., Lin, D., Deberdt, W., Kryzhanovskaya, L., & Corya, S. (2011). A dose comparison of olanzapine for the treatment of borderline personality disorder: a 12-week randomized, double-blind, placebo-controlled study. The Journal of Clinical Psychiatry, 72(10), 1353–1362. https://doi.org/10.4088/JCP.08m04138yel
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Clozapin wurde ebenfalls bei der BPS untersucht. Eine umfangreiche Auswertung von Krankenakten und Verwaltungsdaten erfasste Patienten mit BPS und deren Exposition gegenüber Clozapin. Die Stichprobe umfasste Patienten mit BPS in Kombination mit bipolarer Störung und psychotischen Störungen; zusätzlich wurden Patienten mit ausschließlicher BPS-Diagnose gesondert analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Exposition gegenüber Clozapin die psychiatrischen Aufnahmen, die Gesamtzahl der Krankenhausaufenthalte sowie die Anzahl der psychiatrischen Bettentage reduzierte. Dieser Effekt zeigte sich sowohl in der Gesamtgruppe als auch in der spezifischen BPS-Gruppe.
Referenzen:
- Rohde, C., Polcwiartek, C., Correll, C. U., & Nielsen, J. (2018). Real-world effectiveness of clozapine for borderline personality disorder: Results from a 2-year mirror-image study. *Journal of Personality Disorders*, *32*(6), 823–837. https://doi.org/10.1521/pedi_2017_31_328
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Darüber hinaus zeigte sich, dass die Anzahl der Patienten mit absichtlicher Selbstverletzung oder Überdosierungen unter Clozapin signifikant zurückging. Ein systematischer Review zu Clozapin deutete ebenfalls auf einen Nutzen bei therapierefraktären Patienten mit Suizidrisiko hin.
Referenzen:
- Rohde, C., Polcwiartek, C., Correll, C. U., & Nielsen, J. (2018). Real-world effectiveness of clozapine for borderline personality disorder: Results from a 2-year mirror-image study. *Journal of Personality Disorders*, *32*(6), 823–837. https://doi.org/10.1521/pedi_2017_31_328
- Han, J., Allison, S., Looi, J. C. L., Chan, S. K. W., & Bastiampillai, T. (2023). A systematic review of the role of clozapine for severe borderline personality disorder. *Psychopharmacology*, *240*(10), 2015–2031. https://doi.org/10.1007/s00213-023-06431-6
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Aus meiner eigenen klinischen Erfahrung habe ich Clozapin in Situationen empfohlen oder verordnet, in denen ein stationär behandelter Patient mit BPS unter hartnäckigem und gefährlichem Selbstverletzungsverhalten litt – so ausgeprägt, dass eine Entlassung aus dem Krankenhaus nicht möglich war. In diesen Fällen hatten andere Behandlungsansätze versagt, und aufgrund des eskalierenden Selbstverletzungsverhaltens wurde Clozapin eingesetzt – mit dem Ergebnis, dass es in solchen extremen Situationen wirksam sein kann.
Referenzen:
- Rohde, C., Polcwiartek, C., Correll, C. U., & Nielsen, J. (2018). Real-world effectiveness of clozapine for borderline personality disorder: Results from a 2-year mirror-image study. *Journal of Personality Disorders*, *32*(6), 823–837. https://doi.org/10.1521/pedi_2017_31_328
- Han, J., Allison, S., Looi, J. C. L., Chan, S. K. W., & Bastiampillai, T. (2023). A systematic review of the role of clozapine for severe borderline personality disorder. *Psychopharmacology*, *240*(10), 2015–2031. https://doi.org/10.1007/s00213-023-06431-6
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Ich möchte auf ein randomisiertes kontrolliertes Trial mit Brexpiprazol bei der Behandlung der BPS eingehen, um einen wichtigen Punkt zur Problematik des Placebo-Ansprechens zu verdeutlichen. In dieser Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Brexpiprazol gegenüber Placebo in einem 12-wöchigen RCT untersucht. An der Studie nahmen 80 Teilnehmer teil, wobei – wie in vielen Studien – die Mehrheit weiblich war. Der primäre Endpunkt war die ZAN-BPD-Skala zur Erfassung der Borderline-Psychopathologie; zusätzlich wurden verschiedene sekundäre Endpunkte erhoben.
Referenzen:
- Grant, J. E., Valle, S., Chesivoir, E., Ehsan, D., & Chamberlain, S. R. (2022). A double-blind placebo-controlled study of brexpiprazole for the treatment of borderline personality disorder. *The British Journal of Psychiatry*, *220*(2), 58–63. https://doi.org/10.1192/bjp.2021.159
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Die Ergebnisse zeigten, dass Brexpiprazol gegenüber Placebo einen signifikanten Effekt auf die Borderline-Symptomatik hatte – dieser Unterschied war jedoch erst beim letzten Studienbesuch nachweisbar. Dies ist ein Beispiel dafür, dass eine Differenzierung gegenüber Placebo erst bei der abschließenden Untersuchung möglich war, was wahrscheinlich auf das ausgeprägte Placebo-Ansprechen zurückzuführen ist. Dieses Phänomen ist charakteristisch für die psychopharmakologische Forschung bei Borderline-Patienten: Sie zeigen ein starkes Placebo-Ansprechen, was den Nachweis der Wirksamkeit eines Medikaments erheblich erschwert.
Referenzen:
- Grant, J. E., Valle, S., Chesivoir, E., Ehsan, D., & Chamberlain, S. R. (2022). A double-blind placebo-controlled study of brexpiprazole for the treatment of borderline personality disorder. *The British Journal of Psychiatry*, *220*(2), 58–63. https://doi.org/10.1192/bjp.2021.159
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Zu den Antipsychotika, die ich bei Borderline-Patienten häufiger einsetze, gehört beispielsweise Aripiprazol. Bei einem symptomatischen BPS-Patienten beginne ich in der Regel mit 1 oder 2 mg täglich und steigere die Dosis je nach Ansprechen des Patienten schrittweise auf maximal 10 mg täglich – abhängig vom Nutzen-Risiko-Verhältnis. Bei Kariprazin habe ich gelegentlich die Erfahrung gemacht, dass Patienten unter dieser Substanz eine Akathisie entwickeln.
Referenzen:
- Nickel, M. K., Muehlbacher, M., Nickel, C., Kettler, C., Pedrosa Gil, F., Bachler, E., Buschmann, W., Rother, N., Fartacek, R., Egger, C., Anvar, J., Rother, W. K., Loew, T. H., & Kaplan, P. (2006). Aripiprazole in the treatment of patients with borderline personality disorder: A double-blind, placebo-controlled study. American Journal of Psychiatry, 163(5), 833–838. https://doi.org/10.1176/ajp.2006.163.5.833
- Grant, J. E., & Chamberlain, S. R. (2020). Cariprazine treatment of borderline personality disorder: A case report. Psychiatry and Clinical Neurosciences, 74(9), 511–512. https://doi.org/10.1111/pcn.13094
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Quetiapin setze ich bei Patienten ein, bei denen vorrangig Schlafstörungen oder ein Bedarf an Sedierung bestehen. Ich beginne dann mit 25 mg zur Nacht und titriere die Dosis langsam in den Bereich von 150 bis 300 mg täglich – wiederum abhängig vom Nutzen-Risiko-Verhältnis.
Referenzen:
- Black, D. W., Zanarini, M. C., Romine, A., Shaw, M., Allen, J., & Schulz, S. C. (2014). Comparison of low and moderate dosages of extended-release quetiapine in borderline personality disorder: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. The American Journal of Psychiatry, 171(11), 1174–1182. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.2014.13101348
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Risperidon hat sich in meiner klinischen Erfahrung als hilfreich erwiesen, wenn ein Patient ausgeprägte impulsive Aggressivität zeigt. Ich beginne mit einer niedrigen Dosis von 0,25 mg zur Nacht und steigere bis auf maximal 3 mg täglich – erneut abhängig vom Nutzen-Risiko-Verhältnis. Bei der Auswahl eines Antipsychotikums orientiere ich mich in erster Linie am Nebenwirkungsprofil der jeweiligen Substanz.
Referenzen:
- Rocca, P., Marchiaro, L., Cocuzza, E., & Bogetto, F. (2002). Treatment of borderline personality disorder with risperidone. The Journal of Clinical Psychiatry, 63(3), 241–244. https://doi.org/10.4088/jcp.v63n0311
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Die wichtigsten Punkte dieses Abschnitts lassen sich wie folgt zusammenfassen: Niedrig dosierte Antipsychotika können bei der Linderung von Wut, impulsiver Aggressivität sowie kognitiven und wahrnehmungsbezogenen Symptomen der BPS hilfreich sein. Ich empfehle eine zeitlich begrenzte Verordnung.
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Clozapin könnte eine Rolle bei Patienten mit besonders hartnäckigem und gefährlichem Selbstverletzungsverhalten spielen, wenn alle anderen Behandlungsansätze erfolglos geblieben sind. Das Nebenwirkungsprofil kann ein Kriterium für die Auswahl des Antipsychotikums sein. Selbstverständlich sind bei der Verordnung von Antipsychotika eine regelmäßige Überwachung der Nebenwirkungen und der Behandlungsergebnisse unerlässlich.
