Folien und Transkript
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Lassen Sie uns nun besprechen, wie wir Medikamente zur Behandlung von Suchterkrankungen bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion anpassen.
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Eine Niereninsuffizienz begegnet uns sowohl bei Patienten mit Suchterkrankungen als auch bei anderen Patientengruppen. In den Vereinigten Staaten befinden sich zu jedem Zeitpunkt etwa eine halbe Million Menschen in der Dialyse. Und kaum zu glauben: Jeder siebte Erwachsene in den USA leidet an einer chronischen Nierenerkrankung. Da Menschen mit Suchterkrankungen häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, sind sie – insbesondere mit zunehmendem Alter – einem erhöhten Risiko für Nierenschäden ausgesetzt.
Referenzen:
- The National Forum of ESRD Networks. (2025, March 31). Quarterly National ESRD Census. https://www.esrdnetworks.org
- Centers for Disease Control and Prevention. (2023). Chronic kidney disease in the United States, 2023. Chronic Kidney Disease. https://tinyurl.com/ywx9an5j
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Suchterkrankungen können direkt zu einem akuten Nierenversagen sowie zu chronischen Nierenerkrankungen führen, einschließlich eines terminalen Nierenversagens. So ist beispielsweise eine Alkoholabhängigkeit mit einem fast doppelt so hohen Auftreten chronischer Nierenerkrankungen verbunden.
Referenzen:
- Li, D., Xu, J., Liu, F., Wang, X., Yang, H., & Li, X. (2019). Alcohol drinking and the risk of chronic kidney damage: A meta-analysis of 15 prospective cohort studies. Alcoholism: Clinical and Experimental Research, 43(7), 1360–1372. https://doi.org/10.1111/acer.14112
- Pan, C., Ju, T. R., Lee, C. C., Chen, Y., Hsu, C., Hung, D., Chen, W., & Wang, I. (2018). Alcohol use disorder tied to development of chronic kidney disease: A nationwide database analysis. PLOS One, 13(9), e0203410. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0203410
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Patienten, die aufgrund einer Methamphetamin- oder Kokainintoxikation in der Notaufnahme vorstellig werden, zeigen häufig eine durch Rhabdomyolyse ausgelöste akute Tubulusnekrose – bei einem Drittel dieser Patienten entwickelt sich daraus ein Nierenversagen. Nicht nur bei Opioid- und Alkoholabhängigkeit, sondern insbesondere bei Psychostimulanzienabhängigkeit besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, ein Nierenversagen zu entwickeln.
Referenzen:
- Richards, J. R., Johnson, E. B., Stark, R. W., & Derlet, R. W. (1999). Methamphetamine abuse and rhabdomyolysis in the ED: a 5-year study. The American Journal of Emergency Medicine, 17(7), 681-685. https://doi.org/10.1016/s0735-6757(99)90159-6
- Amanollahi, A., Moradi, M., & Asghari, M. (2023). Incidence of rhabdomyolysis occurrence in psychoactive substance intoxication: A systematic review and meta-analysis. Scientific Reports, 13, 45031. https://doi.org/10.1038/s41598-023-45031-4
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Kommen wir nun zur Dosisanpassung unserer Medikamente. Wie bereits erwähnt, erhöhen Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko für Nierenerkrankungen. Daher möchte ich zunächst auf die Pharmakotherapie zur Raucherentwöhnung eingehen. Vareniclin – in den USA unter dem Namen Chantix bekannt – wird überwiegend renal ausgeschieden. Das Risiko toxischer Reaktionen ist bei eingeschränkter Nierenfunktion zwar erhöht, jedoch verfügt das Medikament über ein breites therapeutisches Fenster, sodass eine Dosisanpassung in der Regel nicht erforderlich ist.
Referenzen:
- Saeed, D., Reza, T., Shahzad, M. W., Karim Mandokhail, A., Bakht, D., Qizilbash, F. H., Silloca-Cabana, E. O., Ramadhan, A., & Bokhari, S. F. H. (2023). Navigating the crossroads: Understanding the link between chronic kidney disease and cardiovascular health. Cureus, 15(12), e51362. https://doi.org/10.7759/cureus.51362
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Zur Nikotinersatztherapie liegen kaum Studiendaten vor, daher sind keine Dosisanpassungen vorgesehen. Dennoch sollte man auf Zeichen einer Überdosierung achten, wie etwa Unruhe oder Kopfschmerzen. Bei Bupropion hingegen ist die Clearance bei Patienten mit Niereninsuffizienz deutlich reduziert. Eine spezifische Dosisanpassung ist zwar nicht beschrieben, ich würde jedoch empfehlen, die Tagesdosis auf etwa 150 mg zu begrenzen – insbesondere bei mittelschwerer und schwerer Niereninsuffizienz. Manche Experten würden diese Einschränkung bereits bei leichter Niereninsuffizienz anwenden.
Referenzen:
- Turpeinen, M., Koivuviita, N., Tolonen, A., Reponen, P., Lundgren, S., Miettunen, J., Metsärinne, K., Rane, A., Pelkonen, O., & Laine, K. (2007). Effect of renal impairment on the pharmacokinetics of bupropion and its metabolites. British Journal of Clinical Pharmacology, 64(2), 165–173. https://doi.org/10.1111/j.1365-2125.2007.02866.x
- Nagler, E. V., Webster, A. C., Vanholder, R., & Zoccali, C. (2012). Antidepressants for depression in stage 3-5 chronic kidney disease: a systematic review of pharmacokinetics, efficacy and safety with recommendations by European Renal Best Practice (ERBP). Nephrology, Dialysis, Transplantation, 27(10), 3736–3745. https://doi.org/10.1093/ndt/gfs295
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Wie sieht es bei der Behandlung der Alkoholabhängigkeit aus? Bei Disulfiram sollte man aufgrund der Möglichkeit einer unbeabsichtigten Disulfiram-Alkohol-Reaktion äußerste Vorsicht bei Patienten mit chronischer oder akuter Nephritis walten lassen.
Referenzen:
- Stokes, M., Patel, P., & Abdijadid, S. (2024, September 10). Disulfiram. In StatPearls [Internet]. StatPearls Publishing. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK459340/
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Naltrexon und seine primären Metaboliten werden überwiegend renal ausgeschieden, weshalb bei eingeschränkter Nierenfunktion Vorsicht geboten ist. Es sei darüber hinaus erwähnt, dass Naltrexon nicht dialysierbar ist. Die Pharmakokinetik von injiziertem Naltrexon wird bei leichter Niereninsuffizienz nicht wesentlich verändert. Bei mittelschwerer bis schwerer Niereninsuffizienz ist jedoch Vorsicht angebracht.
Referenzen:
- U.S. Food and Drug Administration. (2024). Naltrexone hydrochloride tablet — structured product labeling (SPL). https://tinyurl.com/2ahns9u8
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Bei Acamprosat ist eine Dosisanpassung erforderlich. Bei mittelschwerer Niereninsuffizienz mit einer Kreatinin-Clearance von 30 bis 50 mL/min wird eine reduzierte Startdosis von einer Tablette à 333 mg dreimal täglich empfohlen. Acamprosat-Calcium-Retardtabletten sind bei schwerer Niereninsuffizienz – also einer Kreatinin-Clearance unter 30 mL/min – kontraindiziert. In seltenen Fällen wurde unter der Behandlung mit Acamprosat-Calcium ein akutes Nierenversagen berichtet.
Referenzen:
- Scott, L. J., Figgitt, D. P., Keam, S. J., & Waugh, J. (2005). Acamprosate: A review of its use in the maintenance of abstinence in patients with alcohol dependence. CNS Drugs, 19(5), 445-464. https://doi.org/10.2165/00023210-200519050-00006
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Baclofen wird überwiegend unverändert renal ausgeschieden, weshalb eine Dosisreduktion erforderlich sein kann.
Referenzen:
- Viavonou, R., Perreault, M. M., Barriere, O., Shink, E., Tremblay, P. O., Larouche, R., et al. (2014). Pharmacokinetic characterization of baclofen in patients with chronic kidney disease: Dose adjustment recommendations. Journal of Clinical Pharmacology, 54, 584-592. https://doi.org/10.1002/jcph.247
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Die nächste Folie befasst sich mit Gabapentin. Bei leichter Niereninsuffizienz – also einer GFR von 30 bis 59 – sollte die Dosis etwa halbiert werden, von 900 auf 400 mg täglich. Bei mittelschwerer Niereninsuffizienz mit einer GFR von 15 bis 29 wird die Dosis erneut halbiert auf 200 mg. Bei schwerer Niereninsuffizienz mit einer GFR von 15 oder darunter, wenn eine Dialyse in Betracht gezogen wird, beträgt die Dosis 100 mg. Wichtig: Bei fortschreitender Verschlechterung der Nierenfunktion muss die Gabapentin-Dosis entsprechend reduziert werden. Zudem ist Gabapentin dialysierbar. Daher wird empfohlen, nach jeder Dialysesitzung eine zusätzliche Dosis Gabapentin zu verabreichen. Bei den niedrigsten Dosierungen – also bei Patienten mit einer GFR von 15 oder darunter, die Hämodialyse erhalten – wird zur täglichen Dosis von 100 mg nach der Hämodialyse eine zusätzliche Dosis von 125 mg Gabapentin gegeben.
Referenzen:
- U.S. Food and Drug Administration. (2017). Neurontin (gabapentin) prescribing information. https://tinyurl.com/5xv4jzjt
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Topiramat kann durch Hemmung der Carboanhydrase und den damit verbundenen Bikarbonatverlust eine metabolische Azidose verursachen. Diese kann sich mit einer durch die Nierenerkrankung bedingten Azidose addieren – es liegen dann also zwei metabolische Azidosen gleichzeitig vor. Eine metabolische Azidose kann zu jedem Zeitpunkt der Behandlung auftreten und ist besonders in der Schwangerschaft gefährlich, da sie negative Auswirkungen auf den Fötus haben kann. Daher ist Vorsicht geboten. Bei Einsatz dieses Wirkstoffs in Kombination mit einer Niereninsuffizienz sollten regelmäßig Bikarbonatwerte bestimmt werden.
Referenzen:
- U.S. Food and Drug Administration. (2012). Topamax (topiramate) prescribing information. https://tinyurl.com/2j6z2cum
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Auch eine Dosisanpassung ist erforderlich. Bei einer GFR unter 60 sollte die übliche Erwachsenendosis halbiert werden. Bei mittelschwerer Niereninsuffizienz wird eine Dosisreduktion um 42 % empfohlen, bei schwerer um 50 % – was in der Praxis bedeutet, dass die Dosis in beiden Fällen etwa halbiert wird. Da Topiramat durch Hämodialyse weitgehend eliminiert wird, ist es dialysierbar.
Referenzen:
- U.S. Food and Drug Administration. (2012). Topamax (topiramate) prescribing information. https://tinyurl.com/2j6z2cum
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Bei der medikamentösen Behandlung der Opioidabhängigkeit gilt: Die Pharmakokinetik von Methadon wurde bei Patienten mit Niereninsuffizienz nicht systematisch untersucht. Da Methadon und seine Metaboliten in unterschiedlichem Ausmaß renal ausgeschieden werden, empfiehlt es sich, mit niedrigeren Dosen zu beginnen, längere Dosierungsintervalle zu wählen und die Dosis langsamer zu titrieren. Methadon wird durch Hämodialyse nicht eliminiert. Buprenorphin zeigt keinen eindeutigen Zusammenhang mit der GFR, sodass eine Niereninsuffizienz seine Pharmakokinetik nicht wesentlich beeinflusst.
Referenzen:
- Dean, M. (2004). Opioids in renal failure and dialysis patients. Journal of Pain and Symptom Management, 28(5), 497-504. https://doi.org/10.1016/j.jpainsymman.2004.02.021
- Böger, R. H. (2006). Renal impairment: a challenge for opioid treatment? The role of buprenorphine. Palliative Medicine, 20(Suppl 1), s17-s23.
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Die wichtigsten Punkte zu chronischer Nierenerkrankung und Suchtmedikamenten: Etwa jeder siebte Erwachsene in den USA leidet an einer chronischen Nierenerkrankung, und diese Rate ist bei Menschen mit Suchterkrankungen erhöht. Sowohl Disulfiram als auch Naltrexon sollten bei Niereninsuffizienz mit Vorsicht eingesetzt werden, und für Gabapentin sowie Acamprosat gibt es klar definierte Dosierungsrichtlinien.
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Für Topiramat und Bupropion wird bei Niereninsuffizienz eine Dosisreduktion empfohlen.
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