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01. INTEGRATE: Neue Behandlungsleitlinien für Schizophrenie

Veröffentlicht am 1. August 2025 Ablaufdatum der Zertifizierung: 1. August 2028 DOI: 10.64239/PI-DE-QT7701

Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P.

Co-director of the MGH Psychosis Clinical and Research Program & Professor of Clinical Psychiatry - Massachusetts General Hospital - Harvard Medical School

Kernpunkte

  • Aripiprazol 5 mg täglich als Ausgangspunkt bei einer Erstpsychose in Betracht ziehen, sofern der Patient keine eigene Präferenz äußert.
  • Mit Patienten nach einer Erstpsychose die Umstellung von oralen auf langwirksame injizierbare Antipsychotika besprechen, sobald Wirksamkeit und Verträglichkeit gesichert sind – nicht ausschließlich bei mangelnder Adhärenz.
  • Clozapin bei Therapieresistenz zeitnah einsetzen – nach 12 Wochen ohne Ansprechen auf zwei Antipsychotika. Bei Antipsychotika mit hohem metabolischen Risiko Metformin routinemäßig in Betracht ziehen.

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Neue internationale Schizophrenie-Leitlinien veröffentlicht

In diesem heutigen Quick Take möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass eine neue Schizophrenie-Leitlinie erschienen ist. Sie wurde im März 2025 in Lancet Psychiatry publiziert.

Der Titel der Publikation lautet: „INTEGRATE: international guidelines for the algorithmic treatment of schizophrenia“. Diese Leitlinien wurden von einer großen Gruppe von Psychiaterinnen und Psychiatern aus 30 Ländern entwickelt und decken alle UN-Regionen ab – es handelt sich somit um ein wirklich internationales Gemeinschaftswerk.

An dieser Stelle möchte ich einen Interessenkonflikt offenlegen: Ich war Mitglied der INTEGRATE Advisory Group und am Leitlinienprozess beteiligt. Dies umfasste unter anderem ein Umbrella-Review zur Entwicklung einer Umfrage, die anschließend zur Konsensfindung unter eingeladenen Expertinnen und Experten weltweit genutzt wurde – mit Rückmeldungen aus Fokusgruppen, einschließlich Personen mit gelebter Erfahrung.

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Warum neue Schizophrenie-Leitlinien erforderlich waren

Man könnte fragen: Brauchten wir wirklich eine neue Schizophrenie-Leitlinie? Ich denke ja. Viele bestehende Leitlinien sind entweder veraltet oder in ihrer Anwendung unübersichtlich.

Die INTEGRATE-Leitlinien bieten demgegenüber eine gelungene Zusammenfassung dessen, was wir heute als qualitativ hochwertige Schizophrenieversorgung betrachten. Sie sind länderunabhängig anwendbar und in einem Algorithmus dargestellt, dem jede Klinikerin und jeder Kliniker leicht folgen kann. Autoritative internationale Konsensleitlinien stellen einen wichtigen Schritt zur Reduktion von Versorgungsvariabilität bei Schizophrenie dar.

Variabilität – was ist daran problematisch? Variabilität in der Medizin kann ein Hinweis auf eine nicht optimale Versorgung sein. Zur Veranschaulichung:

  • So gibt es keinen sachlichen Grund, warum der Einsatz von Clozapin bei therapieresistenter Schizophrenie zwischen Deutschland, den USA, Südkorea oder Nigeria – oder innerhalb von Regionen eines Landes – so unterschiedlich ist.
  • Es handelt sich schlicht um ein Problem des nicht sachgerechten Einsatzes von Clozapin, obwohl Clozapin das Mittel der Wahl für alle Patientinnen und Patienten mit therapieresistenter Schizophrenie ist – unabhängig vom Aufenthaltsort.
  • Eine universell gültige Leitlinie könnte zumindest ein erster Schritt in Richtung einer optimalen Schizophrenieversorgung für alle sein.

Stärken und Grundannahmen des INTEGRATE-Algorithmus

Die Stärke dieser Leitlinien liegt meines Erachtens darin, dass sie dynamisch und flexibel genug sind, um eine patientenzentrierte Versorgung zu ermöglichen, ohne dabei zu komplex zu werden. Sie bieten Klinikern einen Algorithmus, dem sie in der Praxis tatsächlich folgen können.

Würde jede Klinikerin und jeder Kliniker dem vorgeschlagenen Algorithmus folgen, würde die Versorgungsqualität für alle Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie erheblich verbessert.

Die Leitlinien selbst basieren auf mehreren grundlegenden Annahmen:

  • Partizipative Entscheidungsfindung ist zentral
  • Frühzeitiges Handeln, wenn eine Patientin oder ein Patient nicht auf die Behandlung anspricht
  • Berücksichtigung von Medikamentennebenwirkungen als integraler Bestandteil therapeutischer Entscheidungen
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Empfehlungen bei Erstpsychose

Nachfolgend erläutere ich den Algorithmus für Patientinnen und Patienten mit einer Erstpsychose:

  1. Beginn mit Aripiprazol (sofern keine Präferenz vorliegt)
  2. Frühzeitiger Einsatz von Depot-Antipsychotika (langwirksame Injektionsformen)
  3. Erwägung einer Behandlungsunterbrechung in ausgewählten Fällen
  4. Zeitnahe Einleitung von Clozapin bei entsprechender Indikation

Eine algorithmische Zusammenfassung der Behandlungsleitlinien. Rechtsklick zum Speichern des Bildes.

Empfehlungen zum medizinischen Management

Die Leitlinien umfassen auch Empfehlungen zum somatischen Management, beispielsweise die routinemäßige Gabe von Metformin bei Verordnung eines metabolisch hoch-riskanten Antipsychotikums. Durch Umsetzung dieser Empfehlungen bieten Sie Ihren ersterkrankten Patientinnen und Patienten eine exzellente Versorgung.

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Limitationen der Leitlinien

Folgende Einschränkungen sind zu beachten:

  • Die Leitlinien beschränken sich auf die Psychopharmakologie, die zwar eine wichtige Säule der Schizophreniebehandlung darstellt, ohne psychosoziale Unterstützung und Rehabilitation jedoch allein nicht ausreicht.
  • Der Stellenwert des neuen nicht-dopaminergen Antipsychotikums Xanomelin plus Trospium, das kürzlich in den USA zugelassen wurde, konnte in den Leitlinien nicht berücksichtigt werden.
  • Ebenso wird die Rolle von GLP-Agonisten im Gewichtsmanagement nicht adressiert.

Fazit: Einheitliche und praxisorientierte Leitlinien

Dies ist mein abschließendes Fazit: Das Fachgebiet verfügt nun über einheitliche, nicht länderspezifische, universell gültige und praxisnahe Leitlinien für die pharmakologische Behandlung der Schizophrenie. Sie werden für mindestens einige Jahre Bestand haben, mit dem Plan einer regelmäßigen Aktualisierung.

Ich halte diese Leitlinien für einen wichtigen Schritt. Sie helfen dabei, einen Standard für eine gute pharmakologische Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie zu definieren.

Ich empfehle Ihnen, die Publikation aufzurufen und den Algorithmus, der die Leitlinien zusammenfasst, eingehend zu studieren. Wenden Sie ihn in Ihrer eigenen Praxis an. Und bitte hängen Sie diesen Algorithmus auch in Ihrer Klinik aus – er ist ein hervorragendes Lehrmittel zur Patientenaufklärung. Wenn Sie mit Auszubildenden, Pflegefachpersonen mit erweiterter Praxiskompetenz oder Assistenzärztinnen und -ärzten zusammenarbeiten, eignet er sich zudem ideal, um optimale Versorgungsstandards für diese Patientengruppe zu vermitteln.

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Abstract

Zusammenfassung des Originalartikels, in englischer Sprache wiedergegeben.

INTEGRATE: international guidelines for the algorithmic treatment of schizophrenia

Robert A McCutcheon, PhD, Toby Pillinger, PhDc, Ioana Varvari, MRCPsych, Sean Halstead, MD, Olatunde O Ayinde, MSg Nicolás A Crossley, PhDh, et al.

Schizophrenia is a mental illness involving multiple symptom domains and is often associated with substantial physical health comorbidities. Guidelines exist, but these tend to be country-specific and are often missing a concise yet comprehensive algorithmic approach. From May 1, 2023, to Jan 1, 2025, International Guidelines for Algorithmic Treatment (INTEGRATE) authors from all UN regions collaborated to develop a consensus guideline focused on the pharmacological treatment of schizophrenia. Following an umbrella review of the literature, input from expert workshops, a consensus survey, and lived experience focus groups, a consensus algorithmic guideline and associated digital tool were developed. Key recommendations include a focus on metabolic health from treatment initiation, timely assessment and management of non-response, symptom domain-specific interventions, mitigation of side-effects, and the prompt use of clozapine in cases of treatment resistance.

Referenz

McCutcheon, R.; Pillinger, T.; Varvari, I.; Halstead, S.; Ayinde, O.; Crossley, N. et al. (2025). INTEGRATE: international guidelines for the algorithmic treatment of schizophrenia. The Lancet Psychiatry; 12(5):384-394.

Lernziele:
Nach Abschluss dieser Aktivität ist der Teilnehmer in der Lage:

  • Geeignete antipsychotische Therapiestrategien für Patienten mit einer Erstmanifestation einer Psychose auszuwählen.
  • Evidenzbasierte Dosierungsstrategien für Lurasidon bei bipolarer Depression Typ I mit ausgeprägter Angststörung anzuwenden.
  • Blutungsrisikofaktoren zu beurteilen und geeignete Strategien zur Antidepressiva-Auswahl für Patienten zu implementieren, die eine gleichzeitige Therapie mit einem SSRI und einem oralen Antikoagulans benötigen.
  • Die unterschiedliche Wirksamkeit von SSRIs bei verschiedenen kardiovaskulären Erkrankungen zu bewerten.
  • Den Zusammenhang zwischen der diätetischen Salzzufuhr und psychischen Gesundheitsoutcomes zu erkennen.

Ursprüngliches Veröffentlichungsdatum: 1. August 2025
Ablaufdatum: 1. August 2028

Experten: Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P., Kristin Raj, M.D., Paul Zarkowski, M.D., Scott R. Beach, M.D. und Derick E. Vergne, M.D.
Medizinische Redakteure: Sebastián Malleza M.D. und Flavio Guzmán, M.D.

Offenlegung relevanter finanzieller Beziehungen:

Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P. legt die folgenden Beziehungen offen:
– Karuna: Researcher (MGH)
– Medscape: Speaker honorarium
– Wolters-Kluwer: Royalties for medical writing

Alle oben aufgeführten relevanten finanziellen Beziehungen wurden von Medical Academy und dem Psychopharmacology Institute mitigiert.

Keiner der übrigen Referenten, Planer und Gutachter dieser Bildungsaktivität hat für die letzten 24 Monate relevante finanzielle Beziehungen zu nicht teilnahmeberechtigten Unternehmen offenzulegen, deren Hauptgeschäft in der Herstellung, Vermarktung, dem Verkauf, Weiterverkauf oder Vertrieb von Gesundheitsprodukten besteht, die von oder an Patienten verwendet werden.

Kontaktinformationen: Bei Fragen zum Inhalt oder zum Zugang zu dieser Aktivität kontaktieren Sie uns unter support@psychopharmacologyinstitute.com

Anleitung für Teilnahme und Credit:
Die Teilnehmer müssen die Aktivität online innerhalb des oben angegebenen Gültigkeitszeitraums des Credits abschließen.

Befolgen Sie diese Schritte, um CME-Credit zu erhalten:

  1. Sehen Sie sich die erforderlichen Bildungsinhalte auf dieser Kursseite an.
  2. Füllen Sie die Evaluation nach der Aktivität aus, um das für die fortlaufende Akkreditierung und die Entwicklung künftiger Aktivitäten erforderliche Feedback zu geben. HINWEIS: Das Ausfüllen der Evaluation nach dem Quiz ist Voraussetzung für den Erhalt des erworbenen Credits.
  3. Laden Sie Ihr Zertifikat herunter.

Bitte beachten Sie, dass die Abschlussdaten der CME- und SA-CME-Zertifikate in UTC erfasst werden. Je nach Ihrer lokalen Zeitzone können spät am Tag abgeschlossene Aktivitäten auf Ihrem Zertifikat mit dem Datum des Folgetages erscheinen.

Accreditation Statement:
This activity has been planned and implemented in accordance with the accreditation requirements and policies of the Accreditation Council for Continuing Medical Education through the joint providership of Medical Academy LLC and the Psychopharmacology Institute. Medical Academy is accredited by the ACCME to provide continuing medical education for physicians.

Akkreditierungserklärung (Referenzübersetzung): Diese Aktivität wurde in Übereinstimmung mit den Akkreditierungsanforderungen und -richtlinien des Accreditation Council for Continuing Medical Education im Rahmen der gemeinsamen Trägerschaft von Medical Academy LLC und dem Psychopharmacology Institute geplant und durchgeführt. Medical Academy ist vom ACCME akkreditiert, ärztliche Fortbildung anzubieten.

Credit Designation Statement:
Medical Academy designates this enduring activity for a maximum of 0.75 AMA PRA Category 1 credit(s)™. Physicians should claim only the credit commensurate with the extent of their participation in the activity.

Erklärung zur Credit-Vergabe (Referenzübersetzung): Medical Academy weist dieser dauerhaften Aktivität maximal 0.75 AMA PRA Category 1 credit(s)™ zu. Ärzte sollten nur den Credit geltend machen, der dem Umfang ihrer Teilnahme an der Aktivität entspricht.

Die ANCC erkennt AMA PRA Category 1 Credit(s)™ als Kontaktstunden an, nach folgender Umrechnung: 1 CME = 1 Kontaktstunde. Alle unsere Inhalte betreffen die Psychopharmakologie, daher entsprechen die auf Ihrem Zertifikat ausgewiesenen Pharmakologiestunden den für diese Aktivität vergebenen Credits. Das Zertifikat weist sie in einer eigenen Zeile aus, getrennt von der Erklärung zur Credit-Vergabe.

Offenlegung zum Einsatz künstlicher Intelligenz (KI):
Bei der Entwicklung dieser Aktivität können in begrenzten Phasen Werkzeuge der künstlichen Intelligenz (KI) eingesetzt worden sein (z. B. Entwurf oder sprachliche Überarbeitung). Das konkrete Werkzeug, die Version und das Nutzungsdatum sind intern dokumentiert.
KI bestimmt keine klinischen Empfehlungen. Alle Inhalte werden von den genannten Referenten und medizinischen Redakteuren geprüft, verifiziert und freigegeben und spiegeln ein unabhängiges menschliches klinisches Urteil wider, im Einklang mit den ACCME Standards for Integrity and Independence in Accredited Continuing Education.

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