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01. Wie wirksam ist KarXT (Xanomelin-Trospium) bei Schizophrenie? NNT und NNH verständlich erklärt

Veröffentlicht am 29. Oktober 2025 Ablaufdatum der Zertifizierung: 29. Oktober 2028 DOI: 10.64239/PI-DE-QT8001

Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P.

Co-director of the MGH Psychosis Clinical and Research Program & Professor of Clinical Psychiatry - Massachusetts General Hospital - Harvard Medical School

Kernpunkte

  • Die Number Needed to Treat (NNT) hilft dabei, Studiendaten in klinisch relevante Aussagen zu übersetzen. KarXT (Xanomelin-Trospium) zeigte eine NNT von 5 für das Erreichen einer ≥ 30%igen Symptomreduktion bei Erwachsenen mit Schizophrenie und akuter Psychose – nicht vollständiger Remission.
  • Die Number Needed to Harm (NNH) lag im Allgemeinen bei > 10, mit Ausnahme von Übelkeit und Erbrechen. Therapieabbrüche aufgrund gastrointestinaler Nebenwirkungen waren selten (NNH = 49).
  • Die NNT bietet einen hilfreichen Rahmen zur Beurteilung der Wirksamkeit, jedoch werden letztlich klinische Erfahrung und Real-World-Daten die Patientenselektion für KarXT bestimmen.

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Wirkmechanismus und klinischer Einsatz von KarXT

In diesem Quick Take möchte ich eine aktuelle Publikation vorstellen, die klinische Studiendaten zu KarXT anhand einer einzigen Kennzahl zusammenfasst: der NNT – der Number Needed to Treat.

KarXT ist das kürzlich zugelassene Antipsychotikum, das Xanomelin mit Trospium kombiniert. Die FDA-Zulassung erfolgte im vergangenen September. Das Besondere an diesem Präparat ist sein Wirkmechanismus: cholinerger Agonismus. Trospium – das „T“ in KarXT – wurde lediglich hinzugefügt, um periphere cholinerge Nebenwirkungen zu reduzieren. Die antipsychotische Wirkung geht auf Xanomelin zurück – das „X“. Und falls Sie sich fragen, wofür „Kar“ steht: Es bezieht sich auf Karuna, das Unternehmen, das das Präparat entwickelt hat.

Stellen wir uns vor, ein Patient hört von diesem neuen Medikament und möchte es ausprobieren. Als Kliniker müssen wir zwei wesentliche Fragen beantworten: Ist es wirksam? Und ist es sicher?

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Die NNT als klinisches Übersetzungsinstrument

Sie könnten nun die einzelnen Zulassungsstudien zu Xanomelin heranziehen und die relevanten Informationen selbst extrahieren. Oder – und dafür sind wir hier – Sie greifen auf die Publikation von Leslie Citrome zurück, die die verfügbaren Daten auf hilfreiche Weise für Sie und Ihre Patienten aufbereitet: mithilfe der sogenannten NNT, der Number Needed to Treat.

Ein kurzer Exkurs zur Bedeutung der NNT: Wer dieser Kennzahl in der Psychiatrie begegnet ist, kennt vermutlich Citrome. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Studiendaten für den klinischen Alltag verständlich zu machen – darunter NNT und ihr Gegenstück, die NNH (Number Needed to Harm).

Beide Maßzahlen dienen als vereinfachte Kurzform, um den erwarteten Nutzen und die Risiken unserer pharmakologischen Behandlungen greifbarer zu machen. Die NNT ist schlicht eine Möglichkeit, die in einer klinischen Studie ermittelte Wirksamkeit eines Medikaments in eine intuitive Kennzahl zu überführen. Sie liefert eine mögliche Schätzung der Effektgröße.

Die NNT ist definiert als die Anzahl der Patienten, die behandelt werden müssen, damit ein zusätzlicher günstiger Behandlungsausgang – in der Regel im Vergleich zu Placebo – erzielt wird. Die NNT beantwortet die Frage, die Sie als Kliniker stellen würden: Wie viele meiner Patienten muss ich mit diesem Medikament behandeln, damit bei einem von ihnen das gewünschte Ergebnis eintritt?

Die NNT berücksichtigt dabei die Placebo-Ansprechrate und den Umstand, dass kein Medikament bei allen Patienten zu 100 % wirkt. Der gewünschte Behandlungsausgang kann auch die Verhinderung eines unerwünschten Ereignisses sein, wie etwa Tod oder Schlaganfall. Anders ausgedrückt: Die NNT ist eine intuitivere und einfachere Methode, um abzuschätzen, wie wahrscheinlich eine Behandlung dem jeweiligen Patienten nutzen wird.

Berechnung der NNT

Die Berechnung erfolgt in drei Schritten:

  1. Bestimmung der absoluten Differenz der Ereignisraten (absolute Risikoreduktion, ARR).
  2. Bildung des Kehrwerts dieser Differenz.
  3. Aufrunden auf die nächste ganze Zahl – halbe Patienten gibt es nicht!

Eine NNT von:

  • 1 = 100 % Wirksamkeit (alle Patienten profitieren)
  • 2 = jeder zweite behandelte Patient profitiert
  • Niedrigere Werte = stärkere Wirksamkeit

Generell gilt eine NNT zwischen 1 und 5 als sehr gut. Eine einstellige NNT wird als klinisch bedeutsam angesehen.

Die NNH folgt der gleichen Logik, bezieht sich jedoch auf unerwünschte Ereignisse.

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NNT setzt kategoriale Endpunkte voraus

Ein weiterer wichtiger Hinweis: Die NNT erfordert einen kategorialen oder binären Endpunkt – also ein klares Ja-oder-Nein-Ergebnis wie Tod oder Schlaganfall. Wenn die Zielvariable kontinuierlich ist – wie etwa eine psychopathologische Ratingskala –, muss zunächst ein kategorialer Endpunkt definiert werden: zum Beispiel eine Symptomreduktion von 30 % als Kriterium für das Ansprechen auf die Behandlung.

Klinische Studien stellen in der Regel einen solchen Endpunkt bereit, und genau dieser wird auch für KarXT verwendet. Das Ansprechen auf KarXT ist in dieser Betrachtung daher als eine Reduktion der Psychopathologie um 30 % definiert – nicht als vollständige Symptomfreiheit.

KarXT-Studiendaten: EMERGENT 1–3

Die NNT für KarXT basiert auf drei Zulassungsstudien: EMERGENT 1, 2 und 3. Jede dieser Studien war eine fünfwöchige, placebokontrollierte Akutphasenstudie mit nahezu identischem Design und identischen Endpunkten.

Das Ergebnis: Die gepoolte NNT für KarXT beträgt 5. Das bedeutet, dass fünf Patienten behandelt werden müssen, damit bei einem zusätzlichen Patienten ein Ansprechen erzielt wird – definiert als eine Reduktion der Psychopathologie um ≥ 30 % nach fünf Behandlungswochen.

Wie sieht es mit der Verträglichkeit aus?

  • Die NNH lag in der Regel bei >10 (was als günstig zu bewerten ist).
  • Ausnahme: Übelkeit und Erbrechen wiesen eine niedrigere NNH auf.
  • Die Abbruchrate aufgrund gastrointestinaler Nebenwirkungen betrug jedoch nur 49, was darauf hindeutet, dass diese Symptome häufig toleriert wurden.

Die Publikation enthält auch die LHH (Likelihood to be Helped or Harmed), doch das Wichtigste ist: KarXT hat eine einstellige NNT von 5.

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Klinische Bedeutung der NNT von KarXT

Die einstellige NNT von 5 für KarXT zeigt, dass es sich um ein wirksames Antipsychotikum für die Akutphasenbehandlung der Psychose handelt. Dennoch ist zu beachten, dass nicht alle Patienten ansprechen werden.

Welche genaue Rolle KarXT in Ihrem Behandlungsalgorithmus einnehmen wird – wann und bei welchen Patienten es eingesetzt werden sollte –, muss noch geklärt werden. Erst die Zeit und eine wachsende klinische Erfahrung werden diese Fragen beantworten.

Denken Sie daran: Die NNT ist zwar eine hilfreiche Kennzahl, sie erzählt jedoch nicht die ganze Geschichte. Sie ist lediglich ein Instrument, das Ihnen dabei helfen kann, fundierte Therapieentscheidungen für Ihre Patienten zu treffen.

Abstract

Zusammenfassung des Originalartikels, in englischer Sprache wiedergegeben.

Xanomeline and Trospium Chloride Versus Placebo for the Treatment of Schizophrenia: A Post Hoc Analysis of Number Needed to Treat, Number Needed to Harm, and Likelihood to Be Helped or Harmed

Leslie Citrome, Nichole M Neugebauer, Alicia A Meli, Judith Kando

Purpose

Describe xanomeline and trospium chloride efficacy and safety/tolerability for the treatment of schizophrenia using number needed to treat (NNT), number needed to harm (NNH), and likelihood to be helped or harmed (LHH).

Methods

Categorical data were extracted from the three 5-week, randomized, double blind, placebo controlled EMERGENT-1, EMERGENT-2, and EMERGENT-3 clinical trials of xanomeline/trospium in adults with schizophrenia experiencing acute psychosis. Efficacy was assessed using the Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS), Clinical Global Impression-Severity (CGI-S), and categorical response criteria. Safety and tolerability were assessed using rates of discontinuation and treatment-emergent adverse events (TEAEs). NNT, NNH, and LHH values were calculated for each individual study as well as pooled.

Results

In data from the acute EMERGENT trials, NNT estimates were significant for xanomeline/trospium vs placebo for the pre-specified treatment response threshold of ≥30% reduction from baseline in PANSS total score at Week 5 (NNT=5 [95% CI, 4-8]). NNT estimates for response thresholds of ≥20% and ≥40% reduction from baseline in PANSS total score and ≥1- and ≥2-point decrease from baseline in CGI-S score were <10, indicating a clinically relevant therapeutic benefit of xanomeline/trospium over placebo. Estimates of NNH vs placebo for the most common TEAEs were >10, with the exception of nausea and vomiting; however, rates of discontinuations due to TEAEs of nausea, dyspepsia, or vomiting were low (NNH=49 [95% CI, 28-182]). LHH indicated an overall benefit of xanomeline/trospium vs placebo for all assessed outcomes. In indirect comparisons based on published data from trials of available antipsychotics approved for schizophrenia, xanomeline/trospium exhibited comparable or more robust NNT estimates vs placebo and was the least likely agent to be associated with weight gain or somnolence/sedation.

Conclusion

In the 5-week EMERGENT clinical trials, NNT, NNH, and LHH assessments demonstrated a favorable benefit-risk profile for xanomeline/trospium.

Trial Registration

ClinicalTrials.gov identifiers: NCT03697252, NCT04659161, NCT04738123.

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Referenz

Citrome, L.; Neugebauer, N.; Meli, A. & Kando, J. (2025). Xanomeline and Trospium Chloride Versus Placebo for the Treatment of Schizophrenia: A Post Hoc Analysis of Number Needed to Treat, Number Needed to Harm, and Likelihood to Be Helped or Harmed. Neuropsychiatr Dis Treat.; Volume 21:761-773.

Lernziele:
Nach Abschluss dieser Aktivität ist der Teilnehmer in der Lage:

  • Number Needed to Treat (NNT)- und Number Needed to Harm (NNH)-Werte zu berechnen und zu interpretieren, um die klinische Wirksamkeit und das Sicherheitsprofil von KarXT (Xanomelin-Trospium) bei akuter Psychose bei Erwachsenen mit Schizophrenie zu bewerten.
  • Evidenzbasierte Protokolle zur Lichttherapie bei bipolarer Depression anzuwenden, einschließlich geeigneter Patientenselektion, Kontraindikationen, Gerätespezifikationen, Dosierungsschemata und Monitoring-Parameter zur Optimierung der Therapieergebnisse bei gleichzeitiger Minimierung des Risikos einer Stimmungsumkehr.
  • Die Evidenz zur kardialen Sicherheit von Haloperidol – insbesondere der intravenösen Formulierung – zu bewerten und Risikostratifizierungsansätze anzuwenden, um klinische Entscheidungen beim Delir-Management im stationären Bereich zu leiten.
  • Die Wirksamkeit von Vareniclin als Drittlinientherapieoption bei der Alkoholkonsumstörung zu beurteilen, einschließlich geeigneter Patientenselektion, Dosierungsstrategien und der Rolle einer Kombinationstherapie mit Bupropion.
  • Den potenziellen kognitiven Nutzen und das Sicherheitsprofil von standardisiertem Ashwagandha-Extrakt (Somin-On) bei Erwachsenen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung zu analysieren und Limitationen der aktuellen Evidenz zu identifizieren, die weiterer Untersuchung bedürfen.

Ursprüngliches Veröffentlichungsdatum: 29. Oktober 2025
Ablaufdatum: 29. Oktober 2028

Experten: Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P., Kristin Raj, M.D., Scott R. Beach, M.D., David A. Gorelick, M.D., Ph.D., D.L.F.A.P.A., F.A.S.A.M. und Derick E. Vergne, M.D.
Medizinische Redakteure: Sebastián Malleza M.D. und Flavio Guzmán, M.D.

Offenlegung relevanter finanzieller Beziehungen:

Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P. legt die folgenden Beziehungen offen:
– Karuna: Researcher (MGH)
– Medscape: Speaker honorarium
– Wolters-Kluwer: Royalties for medical writing

Alle oben aufgeführten relevanten finanziellen Beziehungen wurden von Medical Academy und dem Psychopharmacology Institute mitigiert.

Keiner der übrigen Referenten, Planer und Gutachter dieser Bildungsaktivität hat für die letzten 24 Monate relevante finanzielle Beziehungen zu nicht teilnahmeberechtigten Unternehmen offenzulegen, deren Hauptgeschäft in der Herstellung, Vermarktung, dem Verkauf, Weiterverkauf oder Vertrieb von Gesundheitsprodukten besteht, die von oder an Patienten verwendet werden.

Kontaktinformationen: Bei Fragen zum Inhalt oder zum Zugang zu dieser Aktivität kontaktieren Sie uns unter support@psychopharmacologyinstitute.com

Anleitung für Teilnahme und Credit:
Die Teilnehmer müssen die Aktivität online innerhalb des oben angegebenen Gültigkeitszeitraums des Credits abschließen.

Befolgen Sie diese Schritte, um CME-Credit zu erhalten:

  1. Sehen Sie sich die erforderlichen Bildungsinhalte auf dieser Kursseite an.
  2. Füllen Sie die Evaluation nach der Aktivität aus, um das für die fortlaufende Akkreditierung und die Entwicklung künftiger Aktivitäten erforderliche Feedback zu geben. HINWEIS: Das Ausfüllen der Evaluation nach dem Quiz ist Voraussetzung für den Erhalt des erworbenen Credits.
  3. Laden Sie Ihr Zertifikat herunter.

Bitte beachten Sie, dass die Abschlussdaten der CME- und SA-CME-Zertifikate in UTC erfasst werden. Je nach Ihrer lokalen Zeitzone können spät am Tag abgeschlossene Aktivitäten auf Ihrem Zertifikat mit dem Datum des Folgetages erscheinen.

Accreditation Statement:
This activity has been planned and implemented in accordance with the accreditation requirements and policies of the Accreditation Council for Continuing Medical Education through the joint providership of Medical Academy LLC and the Psychopharmacology Institute. Medical Academy is accredited by the ACCME to provide continuing medical education for physicians.

Akkreditierungserklärung (Referenzübersetzung): Diese Aktivität wurde in Übereinstimmung mit den Akkreditierungsanforderungen und -richtlinien des Accreditation Council for Continuing Medical Education im Rahmen der gemeinsamen Trägerschaft von Medical Academy LLC und dem Psychopharmacology Institute geplant und durchgeführt. Medical Academy ist vom ACCME akkreditiert, ärztliche Fortbildung anzubieten.

Credit Designation Statement:
Medical Academy designates this enduring activity for a maximum of 0.75 AMA PRA Category 1 credit(s)™. Physicians should claim only the credit commensurate with the extent of their participation in the activity.

Erklärung zur Credit-Vergabe (Referenzübersetzung): Medical Academy weist dieser dauerhaften Aktivität maximal 0.75 AMA PRA Category 1 credit(s)™ zu. Ärzte sollten nur den Credit geltend machen, der dem Umfang ihrer Teilnahme an der Aktivität entspricht.

Die ANCC erkennt AMA PRA Category 1 Credit(s)™ als Kontaktstunden an, nach folgender Umrechnung: 1 CME = 1 Kontaktstunde. Alle unsere Inhalte betreffen die Psychopharmakologie, daher entsprechen die auf Ihrem Zertifikat ausgewiesenen Pharmakologiestunden den für diese Aktivität vergebenen Credits. Das Zertifikat weist sie in einer eigenen Zeile aus, getrennt von der Erklärung zur Credit-Vergabe.

Offenlegung zum Einsatz künstlicher Intelligenz (KI):
Bei der Entwicklung dieser Aktivität können in begrenzten Phasen Werkzeuge der künstlichen Intelligenz (KI) eingesetzt worden sein (z. B. Entwurf oder sprachliche Überarbeitung). Das konkrete Werkzeug, die Version und das Nutzungsdatum sind intern dokumentiert.
KI bestimmt keine klinischen Empfehlungen. Alle Inhalte werden von den genannten Referenten und medizinischen Redakteuren geprüft, verifiziert und freigegeben und spiegeln ein unabhängiges menschliches klinisches Urteil wider, im Einklang mit den ACCME Standards for Integrity and Independence in Accredited Continuing Education.

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