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01. Langzeitwirksame Injektabilia: Überlegen in der Reduktion der Mortalität bei Schizophrenie?

Veröffentlicht am 1. April 2025 Ablaufdatum der Zertifizierung: 1. April 2028 DOI: 10.64239/PI-DE-QT7301

Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P.

Co-director of the MGH Psychosis Clinical and Research Program & Professor of Clinical Psychiatry - Massachusetts General Hospital - Harvard Medical School

Kernpunkte

  • 50 % der Patienten mit einer Erstmanifestation lösen ihr erstes orales Antipsychotikum nach der Entlassung nicht ein, und Patienten mit Schizophrenie haben eine um 15–20 Jahre reduzierte Lebenserwartung.
  • Langzeitwirksame injizierbare Antipsychotika reduzierten im Vergleich zu oralen Antipsychotika die Gesamtmortalität sowie die nicht-suizidale Mortalität, mit besonderem Nutzen bei Erstmanifestation.
  • Die frühzeitige Einführung von LAIs als Erstlinienoption – nicht als letzten Ausweg – trägt dazu bei, ihren Einsatz zu normalisieren und den Eindruck einer strafenden Behandlung zu vermeiden. Der Mortalitätsvorteil sollte klar kommuniziert werden.

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Mortalitätsreduktion bei Schizophrenie: LAIs vs. orale Antipsychotika

In diesem Quick Take untersuchen wir einen wichtigen Aspekt der Versorgung von Menschen mit Schizophrenie: die Reduktion der vorzeitigen Mortalität. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob langzeitwirksame injizierbare Antipsychotika (LAIs) im Vergleich zu oralen Antipsychotika einen relevanten Unterschied bewirken.

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Antipsychotika: Wirksam, jedoch mit Adhärenzproblemen

Antipsychotika sind hochwirksam in der Prävention psychotischer Rückfälle bei Patienten mit Schizophrenie. Die Number Needed to Treat (NNT) beträgt 3 für die Rückfallprävention mit Antipsychotika – vergleichbar mit zahlreichen etablierten medizinischen Behandlungen. Dennoch stellt die Non-Adhärenz gegenüber oralen Antipsychotika ein erhebliches klinisches Problem dar.

Non-Adhärenz kann zu folgenden Konsequenzen führen: • Instabiler Krankheitsverlauf • Häufige Rückfälle • Partielle Remission • Psychosoziale Toxizität

Psychosoziale Toxizität

Psychosoziale Toxizität kann sich manifestieren als: • Zeit in stationären Einrichtungen statt in Schule oder Ausbildung • Arbeitsplatzverlust • Reputationsschäden • Rechtliche Probleme • Tod infolge eines instabilen Krankheitsverlaufs (z. B. Suizid, Unfälle, unzureichend behandelte somatische Erkrankungen)

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Reduzierte Lebenserwartung bei Schizophrenie

Patienten mit Schizophrenie haben eine durchschnittlich um 15 bis 20 Jahre verkürzte Lebenserwartung. Es ist hervorzuheben, dass unbehandelte psychiatrische Patienten die schlechtesten Verläufe aufweisen – trotz der bekannten Morbidität und Mortalität, die mit psychiatrischen Behandlungen wie Antipsychotika assoziiert sein kann. Psychiatrische Behandlung verhindert nachweislich Todesfälle.

Rationale für LAIs vs. orale Antipsychotika

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass LAIs Rückfälle im Vergleich zu oralen Antipsychotika reduzieren. Die diesem Artikel zugrunde liegende wissenschaftliche Fragestellung basiert auf folgender Argumentationskette:

  1. Antipsychotika verhindern bei zuverlässiger Einnahme Rückfälle
  2. Rückfallprävention reduziert die Mortalität
  3. LAIs werden zuverlässiger eingenommen als orale Antipsychotika
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Metaanalyse: LAIs und Mortalität

Eine aktuelle, von Claudia Aymerich in Molecular Psychiatry veröffentlichte Metaanalyse untersuchte den klinisch relevanten Endpunkt Mortalität. Die Studie umfasste klinische Studien aus verschiedenen Regionen weltweit und gewährleistet damit eine breite Übertragbarkeit der Ergebnisse.

Zentrale Befunde: Im Vergleich zu oralen Antipsychotika:

  1. LAIs reduzierten die Gesamtmortalität (Odds Ratio 0,79)
  2. LAIs reduzierten die nicht-suizidale Mortalität (Odds Ratio 0,77)
  3. LAIs waren hinsichtlich der Prävention suizidaler Todesfälle statistisch nicht überlegen
  4. Patienten mit Erstmanifestation profitierten stärker als chronisch Erkrankte hinsichtlich der Mortalitätsreduktion

Limitationen der Studie

Die Analyse weist folgende Limitationen auf: • Nicht alle Antipsychotika sind als LAI verfügbar • Unterschiede zwischen einzelnen Antipsychotika konnten nicht untersucht werden • Die meisten Studien verwendeten atypische bzw. Antipsychotika der zweiten Generation

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Implementierung von LAIs in der klinischen Praxis

Trotz der belegten Vorteile kann die Empfehlung von LAIs an Patienten eine Herausforderung darstellen. Zwei Strategien können dazu beitragen, die klinische Kultur hinsichtlich der Akzeptanz von LAIs zu verändern:

  1. Frühzeitige Einführung von LAIs: • Als exzellente Erstlinienoption präsentieren • LAIs bereits beim ersten Gespräch als selbstverständliche Option einführen • Den Eindruck eines strafenden Einsatzes vermeiden
  2. Mortalitätsvorteil betonen: • Den bedeutsamen Gewinn hinsichtlich der Mortalität klar herausstellen • Den Ansatz der Onkologie als Vorbild nutzen: Behandlungen mit belegtem Mortalitätsvorteil priorisieren und kommunizieren – nicht nur symptomorientiert vorgehen

LAIs bei spezifischen Patientengruppen

LAIs können insbesondere von Nutzen sein bei: • Patienten mit Erstmanifestation (Hochrisikogruppe für Rückfälle) • Patienten mit potenziellem Fremdgefährdungsrisiko im Falle eines Rückfalls • Personen mit chaotischen Lebensverhältnissen (z. B. Wohnungslosigkeit)

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Klinische Vorteile von LAIs

Der Einsatz von LAIs bietet mehrere Vorteile: • Eliminiert Unsicherheiten bezüglich der Adhärenz • Schafft Raum in Konsultationen für rehabilitative Ziele • Reduziert die Belastung von Angehörigen durch Adhärenzüberwachung • Fördert eine strukturiertere und verbindlichere Versorgungsqualität in den Einrichtungen

Fazit

Für alle Patienten mit Schizophrenie, die eine Erhaltungstherapie zur Prävention psychotischer Rückfälle benötigen, sollten LAIs als Erstlinienoption gelten – nicht als Behandlung der letzten Wahl. LAIs können den Krankheitsverlauf stabilisieren und die Gesamtmortalität besser reduzieren als orale Antipsychotika, am deutlichsten hinsichtlich nicht-suizidaler Todesfälle.

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Abstract

Zusammenfassung des Originalartikels, in englischer Sprache wiedergegeben.

All-cause mortality risk in long-acting injectable versus oral antipsychotics in schizophrenia: a systematic review and metaanalysis

Claudia Aymerich, Gonzalo Salazar de Pablo, Malein Pacho, Violeta Pérez-Rodríguez, Amaia Bilbao, Lucía Andrés, Borja Pedruzo, Idoia Castillo-Sintes, Nerea Aranguren, Paolo Fusar-Poli, Iñaki Zorrilla, Ana González-Pinto, Miguel Ángel González-Torres & Ana Catalán

Patients with schizophrenia receiving antipsychotic treatment present lower mortality rates than those who do not. However, the non-adherence rate is high, which can be partially addressed using long-acting injectable (LAI) antipsychotics. The impact of LAI treatments on all-cause mortality compared to oral antipsychotics remains unclear. To fill that gap, a random effects meta-analysis was conducted to analyze the odds ratio (OR) of all-cause, suicidal, and non-suicidal mortality among patients taking LAI antipsychotics compared to oral antipsychotics (PROSPERO:CRD42023391352). Individual and pooled LAI antipsychotics were analyzed against pooled oral antipsychotics. Sensitivity analyses were performed for study design, setting, and industry sponsorship. Meta-regressions were conducted for gender, age, antipsychotic dose, and race. Seventeen articles, total sample 12,042 patients (N = 5795 oral, N = 6247 LAI) were included. Lower risk of all-cause mortality for patients receiving LAI antipsychotics vs receiving oral antipsychotics was found (OR = 0.79; 95%CI = 0.66-0.95). Statistical significance was maintained when only studies comparing the same LAI and oral antipsychotic were included (OR = 0.79; 95%CI = 0.66-0.95; p = <0.01), as well as for non-suicidal mortality (OR = 0.77: 95%CI = 0.63-0.94; p = 0.01), but not for suicidal mortality (OR = 0.86; 95%CI = 0.59-1.26; p = 0.44). Mortality reduction was more pronounced for LAI antipsychotics in first-episode psychosis (FEP) (OR = 0.79; 95%CI = 0.66-0.96) compared to chronic psychosis. No individual LAI reported statistically significant differences against all pooled oral antipsychotics. LAI antipsychotics are associated with a lower risk of all-cause and non-suicidal mortality in individuals with schizophrenia

compared to oral antipsychotics. Better adherence to the medication and health services may explain this difference. Whenever possible, the use of LAIs should be considered from the FEP.

Referenz

Aymerich, C.; Salazar de Pablo, G.; Pacho, M.; Pérez-Rodríguez, V.; Bilbao, A.; Andrés, L. et al. (2024). All-cause mortality risk in long-acting injectable versus oral antipsychotics in schizophrenia: a systematic review and meta-analysis. Molecular Psychiatry; 30(1):263-271.

Lernziele:
Nach Abschluss dieser Aktivität ist der Teilnehmer in der Lage:

  • Die potenziellen Mortalitätsvorteile von Depot-Antipsychotika (LAI) gegenüber oralen Formulierungen bei Schizophrenie zu erläutern.
  • Die Wirksamkeit verschiedener Medikamente in unterschiedlichen Dosierungen zur Rückfallprävention in der Erhaltungstherapie bipolarer Störungen zu vergleichen.
  • Die Evidenz zur vergleichenden Wirksamkeit von Olanzapin versus Risperidon bei der Behandlung von verhaltensbezogenen und psychologischen Symptomen der Demenz (BPSD) zu bewerten.
  • Die aktuelle Evidenzlage für den Einsatz von Lisdexamfetamin bei der Behandlung der Methamphetamin-Gebrauchsstörung zu beurteilen.
  • Prinzipien der Chronopharmakologie zu beschreiben, um die Verabreichung psychiatrischer Medikamente zu optimieren.

Ursprüngliches Veröffentlichungsdatum: 28. März 2025
Ablaufdatum: 1. April 2028

Experten: Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P., Kristin Raj, M.D., Scott R. Beach, M.D., David A. Gorelick, M.D., Ph.D., D.L.F.A.P.A., F.A.S.A.M. und Derick E. Vergne, M.D.
Medizinische Redakteure: Flavio Guzmán, M.D. und Sebastián Malleza M.D.

Offenlegung relevanter finanzieller Beziehungen:

Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P. legt die folgenden Beziehungen offen:
– Karuna: Researcher (MGH)
– Medscape: Speaker honorarium
– Wolters-Kluwer: Royalties for medical writing

Alle oben aufgeführten relevanten finanziellen Beziehungen wurden von Medical Academy und dem Psychopharmacology Institute mitigiert.

Keiner der übrigen Referenten, Planer und Gutachter dieser Bildungsaktivität hat für die letzten 24 Monate relevante finanzielle Beziehungen zu nicht teilnahmeberechtigten Unternehmen offenzulegen, deren Hauptgeschäft in der Herstellung, Vermarktung, dem Verkauf, Weiterverkauf oder Vertrieb von Gesundheitsprodukten besteht, die von oder an Patienten verwendet werden.

Kontaktinformationen: Bei Fragen zum Inhalt oder zum Zugang zu dieser Aktivität kontaktieren Sie uns unter support@psychopharmacologyinstitute.com

Anleitung für Teilnahme und Credit:
Die Teilnehmer müssen die Aktivität online innerhalb des oben angegebenen Gültigkeitszeitraums des Credits abschließen.

Befolgen Sie diese Schritte, um CME-Credit zu erhalten:

  1. Sehen Sie sich die erforderlichen Bildungsinhalte auf dieser Kursseite an.
  2. Füllen Sie die Evaluation nach der Aktivität aus, um das für die fortlaufende Akkreditierung und die Entwicklung künftiger Aktivitäten erforderliche Feedback zu geben. HINWEIS: Das Ausfüllen der Evaluation nach dem Quiz ist Voraussetzung für den Erhalt des erworbenen Credits.
  3. Laden Sie Ihr Zertifikat herunter.

Bitte beachten Sie, dass die Abschlussdaten der CME- und SA-CME-Zertifikate in UTC erfasst werden. Je nach Ihrer lokalen Zeitzone können spät am Tag abgeschlossene Aktivitäten auf Ihrem Zertifikat mit dem Datum des Folgetages erscheinen.

Accreditation Statement:
This activity has been planned and implemented in accordance with the accreditation requirements and policies of the Accreditation Council for Continuing Medical Education through the joint providership of Medical Academy LLC and the Psychopharmacology Institute. Medical Academy is accredited by the ACCME to provide continuing medical education for physicians.

Akkreditierungserklärung (Referenzübersetzung): Diese Aktivität wurde in Übereinstimmung mit den Akkreditierungsanforderungen und -richtlinien des Accreditation Council for Continuing Medical Education im Rahmen der gemeinsamen Trägerschaft von Medical Academy LLC und dem Psychopharmacology Institute geplant und durchgeführt. Medical Academy ist vom ACCME akkreditiert, ärztliche Fortbildung anzubieten.

Credit Designation Statement:
Medical Academy designates this enduring activity for a maximum of 0.75 AMA PRA Category 1 credit(s)™. Physicians should claim only the credit commensurate with the extent of their participation in the activity.

Erklärung zur Credit-Vergabe (Referenzübersetzung): Medical Academy weist dieser dauerhaften Aktivität maximal 0.75 AMA PRA Category 1 credit(s)™ zu. Ärzte sollten nur den Credit geltend machen, der dem Umfang ihrer Teilnahme an der Aktivität entspricht.

Die ANCC erkennt AMA PRA Category 1 Credit(s)™ als Kontaktstunden an, nach folgender Umrechnung: 1 CME = 1 Kontaktstunde. Alle unsere Inhalte betreffen die Psychopharmakologie, daher entsprechen die auf Ihrem Zertifikat ausgewiesenen Pharmakologiestunden den für diese Aktivität vergebenen Credits. Das Zertifikat weist sie in einer eigenen Zeile aus, getrennt von der Erklärung zur Credit-Vergabe.

Offenlegung zum Einsatz künstlicher Intelligenz (KI):
Bei der Entwicklung dieser Aktivität können in begrenzten Phasen Werkzeuge der künstlichen Intelligenz (KI) eingesetzt worden sein (z. B. Entwurf oder sprachliche Überarbeitung). Das konkrete Werkzeug, die Version und das Nutzungsdatum sind intern dokumentiert.
KI bestimmt keine klinischen Empfehlungen. Alle Inhalte werden von den genannten Referenten und medizinischen Redakteuren geprüft, verifiziert und freigegeben und spiegeln ein unabhängiges menschliches klinisches Urteil wider, im Einklang mit den ACCME Standards for Integrity and Independence in Accredited Continuing Education.

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